Februar 24, 2018

Die Kommunikationstrends 2018: Be the Purple Cow!

PURPLE COW

In Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Smartphones ist Aufmerksamkeit ein immer knapper werdendes Gut. War einst der Zugang zu Information die Begrenzung, ist es heute die Aufmerksamkeit. Sie ist knappe Ressource, begehrtes Einkommen, ökonomisches Kapital und soziale Währung zugleich. Umso wichtiger wird es deshalb in diesem Jahr für Unternehmen sein, aus der Masse hervorzustechen und positiv in Erinnerung zu bleiben. Folgende Trends sollten 2018 deshalb von Unternehmen berücksichtigt werden:

Be the Purple Cow – Zeig Haltung!

Um aus der Masse hervorzustechen, müssen Unternehmen im Jahr 2018 vor allem Haltung zeigen. Sowohl die Entwicklungen jenseits des Atlantik (#Trump) als auch politischen Vorkommnisse hierzulande (#Afd) sorgen dafür, dass sich unsere Gesellschaft wieder den großen politischen Themen zuwendet. Ein Trend, dem auch Unternehmen bei ihrer Kommunikationsstrategie folgen sollten – auch auf die Gefahr hin, dass sie Gegenwind zu spüren zu bekommen. Denn wer Haltung zeigt, bietet seinen Kunden Identifikationspotential und somit gleichzeitig die Möglichkeit, dass die eigene Marke auch jenseits der Kernzielgruppe positiv wahrgenommen wird. Everbody’s Darling zu sein, hat langfristig noch nie wirklich jemandem etwas genutzt. Vor allem aber nicht im Zeitalter der Digitalisierung – als Darling geht man in der Masse unter, bekommt eher wenig Aufmerksamkeit und befindet sich in der neutralen, aber eben auch stillen Zone.

Wer sich alles andere als neutral äußert und keineswegs still ist, ist Gary Vee. Gary Vee hat inner­halb weni­ger Jahre den Wein­han­del sei­ner Eltern in New Jer­sey zu einem Unter­neh­men mit 60 Mil­lio­nen US-Dollar Umsatz aus­ge­baut – vor allem dank Social Media. Ein Paradebeispiel für die Purple Cow. Dass man auch als Deutscher Nicht-Social-Media-Star Haltung zeigen kann, zeigt der Fall des Eintracht Frankfurt-Präsidenten Peter Fischer, der sich in einer emotionalen Rede auf der Jahreshauptversammlung gegen AfD-Mitglieder im Verein ausgesprochen hat.

 

Storytelling: Zur Hölle mit Fakten! Wir brauchen Geschichten!

Haltung zeigen, das kann u.a. auch über gutes Storytelling via Instagram funktionieren. Der Snapchat-Klon hat die einst auf den gelben Geist beschränkte Story-Funktion nicht nur adaptiert, sondern massentauglich gemacht. Diese gilt es nun zu nutzen. Die kürzlich veröffentlichte Type-Funktion von Instagram ist eine weitere Funktion, die dazu genutzt werden kann, fesselnde Geschichten zu erzählen. Ein gutes Narrativ war schon in der Antike eine Kunst. Der pyramidale Aufbau Freytags dürfte mittlerweile jedem, der in Deutsch etwas aufgepasst hat, ein Begriff sein: Man braucht einen knackigen Einstieg, der ein Problem skizziert, gefolgt von einem spannenden Höhepunkt. Zu guter Letzt wird dann der Konflikt aufgelöst – sei es durch den Untergang des Helden oder aber einen triumphierenden Sieg.  Wer das Prinzip bisher langweilig fand, sollte versuchen, das einfach mal auf Instagram anzuwenden. Der Spaß im Deutschunterricht wäre so auf jeden Fall garantiert. Denn Instagram erleichtert uns Allen das Erzählen von Geschichten. Mithilfe der Story-Funktion kann man nicht nur ein spannendes Narrativ zur eigenen Marke und Persönlichkeit entwickeln, sondern auch über solche Dinge sprechen, die vielleicht nicht unbedingt in den eigenen Feed passen würden. Gleichzeitig schafft man so wiederum Identifikationspotential: Man gibt der Marke ein Gesicht. Zeigt man dann auch noch Haltung und steht für etwas ein, schlägt man quasi zwei Fliegen mit einer Klappe – oder Story. Sehr vorbildlich macht das beispielsweise die Telekom.

 

Video ist King

“Content ist King” war gestern. Es lebe das Video! Warum? Weil Markenbotschaften wesentlich besser verinnerlicht werden, wenn man sie visuell darstellt. Man erinnert sich an 95 Prozent der Informationen, wenn sie visuell dargestellt werden. Noch beeindruckender wird die Zahl, wenn man sie zu einer anderen ins Verhältnis setzt: Man erinnert sich nur an 10 Prozent der Informationen, wenn man sie ausschließlich durch Lesen aufnimmt. Anders ausgedrückt: ein einminütiges Video ist so viel wert wie 1,8 Millionen Wörter. Dies dürfte auch eine Erklärung dafür sein, warum Videos in sozialen Medien so gehyped werden. Kein anderes Format hat einen so großen Impact auf uns, kein anderes Format ist so beliebt.

 

Reichweite war gestern

Spätestens seit Instagram sind sie zum Massenphänomen geworden: Influencer. Und auch wenn das Influencer Marketing schon längst zum Daily Business gehört, gibt es viele Fallstricke, die es zu beachten gilt. Einer der größten ist wahrscheinlich die Reichweite. Viel zu viele Unternehmen lassen sich immer noch primär von der Reichweite potentieller Multiplikatoren blenden und vernachlässigen den viel wichtigeren Faktor: den Brandfit. Auch hier geht es im Grunde genommen wieder um das Thema Haltung: Wenn ein Influencer mehr als fünf Kampagnen mit unterschiedlichen Marken pro Monat macht, was ist dann seine Haltung? Wahrscheinlich nicht die, dass er für die Produkte einsteht, die sie oder er gut findet, sondern eher die, die das meiste Geld bringen. Ergo hat er oder sie weniger Glaubwürdigkeit. Fehlende Conversion ist die Folge. Reichweite ist nämlich kein Synonym von Relevanz. Deshalb: Die Identifikation der richtigen  Influencer ist ein Prozess, bei dem der Brandfit im Vordergrund stehen sollte. Erst sehr viel später darf die Reichweite eine Rolle spielen. Insgesamt kann man sagen, dass das Zusammenspiel  aus Brandfit, Interaktion und Conversion die Relevanz ergibt – und auf die kommt es beim Influencer Marketing wirklich an.

 

Fazit

Kommunikation im Jahr 2018 wird vor allem von dem Thema „Haltung“ geprägt sein, das sich in verschiedenen Formaten manifestiert. Wir glauben daran, dass Haltung in diesen Zeiten unabdingbar ist. Haltung ist der Lotse im Informationsdickischt des digitalen Zeitalters. Die Leuchtfackel, die anderen den Weg weist. Das Licht am Ende des Tunnels.

Max Van Poele ist Attention Manager bei hypr.