März 04, 2018

Vero: Was sagt die Branche über das gehypte neue Social Network

truesoical

Es ist schon lange her, dass uns ein neues Social Network so elektrisiert hat, wie es Vero gerade tut. Gefühlt die komplette Early Adopter-Szene spricht aktuell über nichts Anderes. Dabei ist längst noch nicht klar, was der Mehrwert von Vero sein soll. Aber: War es vor gut zehn Jahren nicht anders, als Facebook immer häufiger im Fokus stand? Damals waren wir alle noch bei studiVZ und konnten uns gar nicht vorstellen, dass ein anderes Netzwerk unser Leben so sehr prägen würde, wie Facebook es mittlerweile tut. Wir haben uns in der Branche umgehört und Experten gefragt, was sie von Vero halten und warum es wichtig ist, sich früh mit Neuem zu beschäftigen.

Franziska Bluhm, als Beraterin und Journalistin entwickelt sie Strategien für das digitale Zeitalter. Sie gehört zu den Initiatoren und Kern-Team, welches jährlich die Goldenen Blogger vergibt.

 

Was hältst Du von Vero?

Das kann ich noch gar nicht seriös sagen, weil ich die Male, bei denen ich Funktionen der App wirklich ausprobieren konnte, an der Hand abzählen kann. Ständig war der Server platt. Das schreckt natürlich viele auch gleich wieder ab. Schick ist sie, aber von einem tagratagram-Killer noch weit entfernt.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Ich beschäftige mich beruflich damit, wie Unternehmen und Medien Zielgruppen am besten erreichen. Daher schaue ich mir natürlich neue Plattformen an, die das Potenzial haben, erfolgreich zu sein.

 

Anna Frost ist eine der bekanntesten deutschen Bloggerinnen und Influencerinnen.

Was hältst du von Vero?

Vero ist eine schöne, minimalistisch gestaltete App mit vielen guten Ideen und Ansätzen.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Meiner Meinung nach ist der Hype schon wieder vorbei, bevor er wirklich angefangen hat. Server-Probleme und auch die negativen News um den CEO gaben schnell einen faden Beigeschmack.

 

Lucas Mohr berät und unterstützt Unternehmen seit über zehn Jahren in den Bereichen digitale Kommunikation und digitales Marketing. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung digitaler Strategien und kanalübergreifender Kampagnen.

Was hältst Du von Vero?

Nach den ersten Tagen sagt mir Vero von den Features und dem Design zu. Sehr übersichtlich und aufgeräumt, schöne Features wie Musik posten oder direkte Produktkäufe in der App. Durch die oben genannten Punkte gibt es eine kleine Abgrenzung zu Facebook und Co. Aber mir fehlt ein klares Alleinstellungsmerkmal. Die angekündigte Nicht-Vermarktung der Daten könnte dies sein. Aus der Erfahrung heraus, ist dies für die meisten Nutzer aber nicht das entscheidende Kriterium. Es wird daher interessant zu sehen sein, ob eine tatsächliche und dauerhafte Aktivierung der Nutzer gelingt. Ansonsten droht Vero ein ähnliches Schicksal wie Path oder Ello.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Vero ist eine App mit Potential, sich neben den bestehenden Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter zu etablieren. In den letzten Jahren ist kaum eine Social-App mit ähnlichem großem Hype gestartet. Die, die es sind, haben sich etabliert (Snapchat, Instagram). Es besteht First Mover-Potential für Unternehmen und Personal Brands, falls sich Vero etabliert. Das Konzept ist interessant: Keine Vermarktung der Daten; jeder wird zum Medienunternehmen; einige Services sind kostenpflichtig.

 

Julian Mohr ist Gründer und Geschäftsführer von Nqyer Media, einer unabhängigen auf Influencer Marketing und Branded Entertainment spezialisierten Social-Media-Agentur mit Sitz in Hamburg.

Was hältst Du von Vero?

Ich habe mich letztes Wochenende bei Vero angemeldet, nachdem eine Influencerin, der ich folge, die App in ihrer Story erwähnt hat – unentgeltlich. Ehrlicherweise habe ich seitdem vielleicht in Summe eine Minute in der App verbracht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob das Frontend aus dem Jahr 2010 oder 2020 kommt und UI/UX-seitig war ich auch in wenigen Sekunden on board. Auch gefiel mir, dass ich mich direkt anmelden konnte und nicht wie bei Ello damals zig Wochen auf einen Invite für diese pseudo-exklusive Desktop first Social Plattform warten musste.

Warum sollte man sich frühzeitig mit Vero beschäftigen?

Weil man auch Bitcoin kauft, bevor Focus Money oder die BAMS darüber berichten. Zumindest, wenn man schlau ist und einen möglichst großen Hebel haben möchte. Wir haben jetzt die erste Dekade Social Web hinter uns gebracht und gelernt, dass es gut ist, sich frühzeitig mit Plattformen zu beschäftigen, um die Wachstumskurve zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Sei es für eigene Reichweiten, um Consulting zu betreiben oder zu werben. Ärgerlich ist es immer dann, wenn die investierte Zeit zu keinem Return führt. Während Snapchat rasant wuchs, bildete sich ein Binnenmarkt um die Plattform: Unternehmen, Business-Modelle, Influencer, Konferenzen etc. Aus meiner Brille im Februar 2018 waren das Zeit und Mittel, die besser hätten investiert werden können. Ich würde etwas Anderes sagen, wenn Instagram nicht Snapchat obsolet gemacht hätte. Wenn man also Artikel über den neuen „Facebook Killer“ Vero liest, sollte man sich erinnern, dass auch Snapchat einst diesen Titel trug. Aber auch durch Snapchat haben einige Leute in kurzer Zeit sehr viel Geld verdient.

Frank Zimmer ist Redaktionsleiter von w&v Online.

Was hältst Du von Vero?

Die Möglichkeiten, seine Community zu organisieren, erinnert an Google Plus. Dort funktioniert es aber gefühlt einfacher – und trotzdem haben es zu wenige Leute genutzt. Dass man Bücher empfehlen kann, finde ich persönlich sehr nett. Ansonsten muss ich noch mehr ausprobieren, einen abschließenden Überblick würde ich mir noch nicht zutrauen. Die Technik hakt natürlich, aber das sollte ja in den Griff zu kriegen sein.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Weil man sich mit allem interessanten Neuen beschäftigen sollte. Auch, um zu sehen, ob das wirklich relevant wird. Da bin ich mir bei Vero nicht sicher. Ich tendiere momentan eher zu „kurzer Hype“, würde das aber bedauern. Alternativen zu marktbeherrschenden Plattformen sind immer gut. Es kann nicht nur Facebook geben.

Harald Fortmann ist Executive Partner bei D-Level und somit einer der wichtigsten deutschen Personalberater.

Was hältst Du von Vero?

Die App wirkt zunächst mal sehr edel – die Einteilung der Personen in Bekannte, Freunde und enge Freunde finde ich sinnvoll. Inhalte sind noch zu wenige zu sehen, es sieht aber auch hier vielversprechend aus

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Grundsätzlich sollte man jede Neuerung einmal anschauen. Man sieht auch, dass immer mehr Menschen Facebook überdrüssig werden und eigentlich eine Plattform suchen, auf der man unter Freunden ist. Neben Snapchat hat Vero daher m.E. eine Chance – zunächst als Underdog. Ob das Bezahlmodell sich langfristig durchsetzt, muss man sehen.

Kevin Tewe ist Spezialist für Influencer Marketing und u.a. für die Vermarktung von Diana zur Löwen und Paola Maria verantwortlich.

Was hältst Du von Vero?

Anfangs fand ich es ziemlich kompliziert, sich darin zurecht zu finden. Die Frage wird sein, was bewegt den User dazu, Vero zu nutzen? Man hat für die gleichen Dinge schon spezialisierte und vorhandene Plattformen. Entscheidend wird sein, welche Meinungsmacher dort aktiv werden, damit man interessanten Content hat.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Man sollte sich mit allem beschäftigen, was neu auf den Markt kommt. Dazu zählt auch Vero derzeit.

Jessy Kösterke ist derzeit Redakteurin bei t3n.de

Was hältst Du von Vero?

Ich denke, dass die App theoretisch eine Alternative zu Facebook oder Instagram sein könnte. Je nachdem, welches Medium persönlich bevorzugt wird – für mich wäre Vero eine Instagram-Alternative. Der Ausschlaggebende Grund dafür ist die Kategorisierung der Follower. Praktisch hat Vero jedoch noch seine Wehwehchen. Besonders die langen Ladezeiten und das manuelle hinzufügen von Freunden/Bekannten. Allerdings war kein Social Network von Anfang an perfekt und hat alle Bedürfnisse der Anwender abgedeckt. Ich kann mir vorstellen, dass die Gründer von Vero auf Hochtouren daran arbeiten, den plötzlichen Ansturm, unter anderem mit regelmäßigen Updates, versuchen zu halten.

Warum sollte man sich mit Vero beschäftigen?

Es wird keiner dazu gezwungen, sich bei einem weiteren Social Network zu registrieren. Abhängig von der Entwicklung der App wird wahrscheinlich früher oder später jeder über einen Artikel stolpern und sich informieren. Die Neugier liegt ja bekanntlich in unserer Natur.