Juni 19, 2017

Warum ich als PR-Anfänger twittere

hypr_twitter

Es ist der 18. Februar 2017, 14:41 Uhr und mein erster Tweet geht online. Er besteht aus nicht ganz 140 Zeichen. 140 Zeichen, die mir eine neue Welt eröffneten. Ich stieß vor in die Welt der Kommunikationsprofis, in das soziale Netzwerk Twitter und war umgeben von unzähligen Tweets und Retweets, aber von nie mehr als 140 Zeichen auf einmal.

Heute, 121 Tage später, habe ich 134 Follower. Das ist zwar ein Nichts, gemessen an den 320 Millionen Nutzern in der Twitter-Welt, aber immerhin ein Anfang. Ein Anfang, den meiner Meinung nach alle, die in dieser Kommunikationswelt bestehen wollen, machen sollten. Dabei war Twitter bis zu diesem Zeitpunkt das von mir am wenigsten beachtete soziale Netzwerk, welches ich ausnahmslos passiv konsumierte. Lange Zeit habe ich es nicht wirklich verstanden. Ich habe keinen Sinn darin gesehen, einfach irgendetwas in die Welt zu twittern, das sowieso keinen interessiert. Ich erkannte den Mehrwert nicht.

Die digitale Welt ist keine Einbahnstraße

Das sollte sich allerdings ändern, denn durch mein neues berufliches Umfeld verstand ich auf einmal, dass die digitale Welt keine Einbahnstraße ist, es auf das Miteinander ankommt. Plötzlich hatte ich den Drang, mich mitzuteilen, meine Perspektive auf die Dinge darzulegen. Ich wollte Teil der Kommunikation sein, nicht mehr nur Empfänger. Ich wollte die Kommunikation mitgestalten und die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. So tippte ich also meinen ersten Tweet, der die Vögel künftig zum Zwitschern bringen sollte. Damit ich die Kommunikation aber von nun an aktiv mitgestalten konnte, musste ich mich informieren. Es ging los mit dem Folgen und Twittern. Ich erstellte mir meinen persönlich kuratierten Newsfeed, folgte den Meinungsmachern, gab meinen Senf dazu und war nicht mehr nur länger der stille, heimliche Beobachter. Ich ging in den Dialog, stellte Fragen und machte vor allem eines: Lernen. Und auf einmal wurde ich im Prozess des Lernens wahrgenommen. Wahrgenommen werden ist nämlich der entscheidende Faktor, wenn man anfängt, sich in dieser Welt zu bewegen. Egal, ob Anfänger oder erfahrener Profi, der eigene Marktwert definiert sich im Bereich PR vor allem durch das Netzwerk, das man besitzt. Und ich wollte mir eines aufbauen.

Der erste virtuelle Schulterklopfer – ein tolles Gefühl

Mein Ehrgeiz war geweckt. Über mehrere Wochen führte ich nun einen Wettstreit mit einer Kollegin: Wer als erster die 100 Follower erreichen würde, dem wurde ein Essen versprochen. Ab diesem Moment habe ich nur in Tweets gedacht, ständig überlegt, wie die nächste Punchline lauten könnte. Und es hat sich gelohnt, denn ich habe gewonnen. Mein 100. Follower war kein anderer als Gunnar Bender. Das war schon ein kleiner Ritterschlag, ein großartiges Gefühl für mich, vor allem, weil ich die 100er Marke dann halten konnte. Kurze Zeit später bekam ich auch von anderen PR-Größen auf Twitter Anerkennung, wie beispielsweise von Andreas Winiarski. Mein Herz schlug urplötzlich ein paar Takte schneller. Es war fast so, wie beim ersten Date. Das Adrenalin stieg und ich konnte nicht genug davon bekommen. Mein erster virtueller Schulterklopfer.

140 Zeichen verändern Deinen Schreibstil

Tweet für Tweet gab ich nun etwas von mir und meinen Gedanken in maximal 140 Zeichen preis. Durch die begrenzte Anzahl an Zeichen verbesserte ich auch meinen Schreibstil. Sie zwang mich dazu, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Kurzum: Ich lernte mit den Mitteln der Verknappung und Vereinfachung umzugehen, also mit genau den Charakteristika, die Massenmedien schon immer geprägt haben.

Twitter ist eine tolle Informationsquelle

Darüber hinaus stellte ich fest, wie unfassbar gut der Content in meiner Timeline war. Ich war auf einmal informiert, konnte mitreden. Neben der Aufmerksamkeit ist es nämlich gerade dieser Content, der die Nutzung von Twitter für mich so sinnvoll macht. Man setzt sich aktiv mit wertvollen Inhalten auseinander. Dadurch wird nicht nur der Informationsgewinn, sondern auch das Netzwerk zunehmend größer.

Persönlichkeit ist Dein wichtigster USP

Natürlich gab es aber auch Phasen der Enttäuschung. Dann, wenn ein Tweet nicht performte, die Interaktion ausblieb, die Followeranzahl stagnierte oder gar zurückging. Ich twitterte zwar was das Zeug hielt, manchmal war sie dann aber doch da, die Einbahnstraße. Nichts kam zurück. Davon habe ich mich aber nicht unterkriegen lassen. Ich holte mir Rat und bekam schnell die passende Antwort: „Du zeigst zu wenig Persönlichkeit. Dein Content ist zu langweilig.“ Also fing ich an, noch mehr Haltung zu zeigen. Noch mehr Persönlichkeit. Und ich verstand, dass Persönlichkeit der wichtigste USP ist. Bei sozialen Netzwerken geht es nämlich letztendlich um den Menschen und damit um die einzelne Person. Um Dich, um mich, um uns.

Also, Ihr angehenden Kommunikationsprofis: Raus mit Euren Smartphones, los mit Euren ersten 140 Zeichen! 140 Zeichen, die Euer Leben verändern könnten.

Max Van Poele ist Attention Manager bei hypr.